Webeditoren unter Ubuntu/Linux Teil 2: ?GeditWebeditoren unter Ubuntu/Linux Teil 2: ?Gedit

Ja, meine Oma hatte schon irgendwie recht. Sie meinte immer: „Man soll das nutzen und würdigen, was man schon hat.“ ;-) Ich habe stundenlang die verschiedensten Editoren ausprobiert, bis ich auf die Idee kam, es doch mal mit dem Gnome-Standardeditor zu versuchen. Und dieser Editor hat es wirklich in sich. Richtig konfiguriert bietet er von Haus aus:screenshot3

  • wählbare Syntaxhervorhebung für eine Vielzahl an Sprachen
  • mehrere Dokumente werden in Tabs dargestellt
  • Zeilennummern und virtueller Zeilenumbruch
  • Hervorhebung von zueinander gehörenden Klammern und der aktuellen Zeile
  • Statusleiste mit Anzeige der Zeile und Spalte, unter Jaunty ist der Schnellzugriff auf die Tabulatorbreite und Syntaxhervorhebung möglich
  • Plugin-System, dazu kommen wir noch
  • sehr schnell und äußerst stabil, auch wenn mehrere und vor allem große Dokumente geöffnet sind

Während bei Ubuntu Hardy Gedit in der Version 2.22.3 vorliegt, arbeitet unter Jaunty die Version 2.26.1. Äußerlich sieht man keinen Unterschied, jedoch kann die neuere Version auch Dateien per FTP und SSH anzeigen und speichern. Nutzer von Hardy können noch nicht per FTP speichern! Den entsprechenden Dialog ruft man übrigens über Datei ? Ort öffnen auf (STRG+L).

Hier einige Features von Gedit in Wort und Bild:

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Plugins für Gedit

Mit diversen Plugins lässt sich Gedit einfach und schnell aufwerten. Erste Anlaufzentrale ist Gnome.org. Viele Plugins sind schon in Gedit vorhanden, müssen also nur aktiviert werden. Wer sich weitere Plugins herunterlädt, muss diese nur in den eigenen Home-Ordner und dort in den (versteckten) Ordner gnome2/gedit/plugins kopieren. Schauen wir uns einmal einige Plugins an:

  • Datum/Uhrzeit einfügen, Groß-/Kleinschreibung ändern, Externe Werkzeuge, Rechtschreibprüfung, Sortieren, Statistik zum Dokument und Zeileneinzug sind allgemein nützliche Tools, die in Gedit schon vorhanden sind, man muss diese nur aktivieren. Zugriff erhält man dann über die jeweils neuen Menüpunkte
  • Dateiverwaltungsleiste (File Browser) ist ebenfalls an Bord und dieses Plugin sollte man aktivieren. Diese Dateiverwaltung ist wirklich gelungen, einfach und vor allem auch per Tastatur bedienbar (mit Tab, Leertaste, Return, Backspace und den Pfeiltasten). Dieses Feature ersetzt sogar eine einfache Projektverwaltung (manche Programme speichern eh nur den Pfad zum Ordner).
  • Tagliste auf Englisch:
    Entpacke mit Rootrechten die Datei HTML.Tags.gz im Ordner /usr/share/gedit-2/taglist/. Lege eine Sicherheitskopie an! Die Datei HTML.tags mit Gedit öffnen und nach der Zeichenkette lang=“de“ suchen. Nun die ganze ‹TagGroup› bis ‹/TagGroup› entfernen. Jetzt noch einmal suchen und das Prozedere wiederholen (es sind 2 Listen, einmal HTML und einmal XHTML). Wer möchte, kann nun auch noch ein drittes Mal suchen, findet die Sonderzeichenliste, diese sollte erhalten bleiben.
    Jetzt die Datei speichern, mit .gz packen und – wieder mit Rootrechten – die vorhandene Datei ersetzen. Nach einem Neustart von Gedit hat man die englischen Bezeichnungen in der Floskelliste.

  • Ebenfalls von Haus aus dabei ist die Floskelliste (Tag list). Diese ist sogar ins Deutsche übersetzt, was ich eher verwirrend finde. Gerade die XHTML-Tags erkennt man am englischen Namen viel schneller. Tooltipps helfen zwar bei der Erkennung, wer das ändern möchte, in nebenstehendender Infobox beschreibe ich eine Lösung, um die Anzeige auf Englisch umzustellen. Schön ist auf alle Fälle, dass man Text markieren kann und die gewünschten Tags davor und dahinter gesetzt werden.
  • Zu guter Letzt sei noch Schnipsel (Snippets) erwähnt. Damit lassen sich oft benötigte Textpassagen anlegen und mit einem Shortcut aufrufen. Es ist auch möglich, Platzhalter einzufügen, die man dann mit der Tab-Taste ansteuert. Ist das Plugin aktiviert, erreicht man den Einstelldialog über das Menü Werkzeuge ? Schnipsel verwalten. Es sind schon jede Menge Schnipsel für PHP und HTML enthalten, probiert es einfach mal aus. Eine Anleitung zum Einfügen von Platzhaltern ist hier zu finden.

Aus den Paketquellen können weitere Plugins installiert werden, sucht doch einmal nach „gedit-plugins“. Aus diesem Paket kann ich auf alle Fälle den Farbwähler, Klammern schließen, Sitzungsspeicherung und die Zeichentabelle empfehlen. Was die einzelnen Plugins machen, verrät ja schon der Name.

Weitere Plugins

Es gibt noch eine Unmenge an Plugins, ich möchte hier noch 5 vorstellen, die gerade bei der Webentwicklung hilfreich sind:

  1. HTML-Tidy :? Wer das Tool mag, kann es auch in Gedit einbinden
  2. Class Browser: Eine sehr nützliche Erweiterung für Javascripte und PHP. Klassen, Funktionen, Variablen und einiges mehr werden übersichtlich in einer Baumstruktur angezeigt, ein Klick darauf führt auch gleich an die richtige Stelle im Quelltext. Hinweis: Wer dieses Plugin nutzen möchte, muss das Paket exuberant-ctags aus den Ubuntuquellen installieren!
  3. Die letzten drei Plugins stammen von Eckhard Ⅿ. Jäger von area42. Vielen Dank an dieser Selle für diese wirklich 1A-Erweiterungen! .daumenhoch:
    Als erstes wäre da die Browservorschau. Ist das Plugin installiert, erreicht man über Ansicht ? Ansehen in den Browser seiner Wahl. Sogar der IE wird angezeigt, wenn er über IE4Linux installiert wurde!
  4. Dann gibt es das Template-Plugin: Folgt der Installationsanweisung, legt den Ordner „Templates“ an und speichert darin Eure Vorlagen. Diese sind dann über das Menü Datei ? Neu aus Vorlage abrufbar.
  5. Und auch das Plugin Sprachreferenz sollte nicht fehlen: Schnell hat man dann über das Menü Hilfe ? Sprachreferenz den Zugriff auf die entsprechenden Dokumentationen.

Mein Fazit

Gedit ist ein toller Allrounder. Wer auch noch mit Python oder Latex arbeitet (dafür gibt es weitere Plugins); oder generell oft einen Texteditoren benötigt, hat hier einen guten und schnellen Editor, der auch noch von Haus aus dabei; und als Standardeditor überall eingetragen ist. Da ich für diesen Artikel noch einmal intensiv recherchiert habe und neue Plugins fand, werde ich auch des öfteren damit arbeiten. Vor allem dann, wenn es um schnelle Änderungen geht.

Für einen professionellen Webeditor fehlen auf alle Fälle die automatische Tagvervollständigung, sowie Call Tips und Autocomplete-Funktionen für HTML, CSS, JavaScript und PHP. Aber ich denke, das ist nicht das Ziel von Gedit, es ist eben der Standardeditor. Und dafür kann er eine Menge und gegenüber dem, was z.B. die Redmonder mitgeben, ist Gedit der pure Luxus! Wer nur gelegentlich mit Webseiten arbeitet und auch für ambitionierte Homepagebastler reichen die Funktionen allemal, da muss keine große IDE installiert werden. Und auch für Netbookbesitzer, die ja weniger Platz auf dem Monitor haben und eine kleinere CPU, ist Gedit eigentlich die beste Wahl.

Soviel zu Gedit, als nächstes werde ich mir BluefishGeany vornehmen. Mal schauen, ob ich das noch vor dem Urlaub schaffe. ;-)

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Kommentare
  1. Peter meint am

    Hallo,

    ich nutze Jaunty und finde im Paketmanager das Paket »exubertant-ctags« nicht. Damit würde ich gerne das Class-Browser-Plugin installieren. Zudem habe ich das Archiv von der Herstellerwebsite heruntergeladen und es im Plugins-Ordner von gEdit entpackt. Doch die Erweiterung war nach dem Neustart von gEdit nicht auswählbar.

    Für Rat bin ich dankbar.

    Viele Grüße,
    Peter

    Antwort: Hallo Peter, oh sorry, da hat sich ein „t“ zuviel eingeschlichen. Es muss „exuberant-ctags“ heißen! Oder suche einfach nach „ctags“.

  2. Stefan Haller meint am

    Toll gemacht! Die äußerst nützlichen Plug-Ins „Klammern schließen“ und „Leerzeichen anzeigen“ kannte ich noch nicht. Freue mich schon auf die nächsten Teile ;)

  3. Lorag meint am

    Super Artikel. Ich freue mich auf die weiteren.

  4. mr. tux meint am

    Auch Nutzer von Hardy können Dateien über FTP abspeichern. Dazu muss lediglich folgende Einstellung im gconf-editor vorgenommen werden: Unter „/apps/gedit-2/preferences/editor/save“ muss man bei dem Schlüssel „writable_vfs_schemes“ den Wert „ftp“ hinzufügen.

    Antwort: Gewußt wie. ;-) Danke für den Hinweis!

  5. Tobias Bluhme meint am

    Ein Rechtschreibfehler gleich im ersten Satz: „Recht“ wird hier mit dem Adverb (Umstandswort) „irgendwie“ näher bestimmt und kann deshalb kein Substantiv sein. Es muß also heißen: „Ja, meine Oma hatte schon irgendwie recht.“. Man hat ja auch nicht „irgendwie Auto“ oder „irgendwie Haus“.

    Sorry wegen des OT, aber auch solche Dinge gehören zum guten Ton und sollten Open Source zu einem guten Image verhelfen.

  6. ice meint am

    Hi,
    Guter Editor, guter Bericht darüber.
    Trotzdem habe ich eine Frage:
     – Wie kann ich zwei Dokumente nebeneinander darstellen?

    Eventuell habe ich da etwas übersehen, oder geht das wirklich nicht?

    Gruss
    Ice

  7. Dominique meint am

    Hi Ice,

    um die 2 Dateien in einem geteilten Bildschirm anzuzeigen musst du das (Standard‑)Plugin „Split View“ installiert & aktiviert haben. Dann kannst du über „Ansicht“ → „Toggle Split View“ zwei Buffer neben‑ oder übereinander anzeigen lassen. Über dem Split View erhältst du eine zusätzliche Menüleiste; der Button „View other file…“ lässt dich dann die Datei für den Split View auswählen.

    Grüsse
    Dominique