Friedliche Koexistenz zwischen Ubuntu und WindowsFriedliche Koexistenz zwischen Ubuntu und Windows

Ein Erfahrungsbericht

Im letzten Blogbeitrag stellte Bordi uns in einem Video vor, wie man Ubuntu unter Windows installieren kann. Das ist eine praktische Sache, so kann jeder User ohne Probleme Ubuntu testen und schauen, wie die Hardware funktioniert. Dabei steht ihm weiterhin die vertraute Windowsumgebung zur Verfügung. Ich selbst mache es genau umgedreht. Ich arbeite mit XP? unter Ubuntu.

Es gibt User, die bewusst nur auf OpenSource-Software setzen. Deren Beweggründe sind verschieden:? Vom überzeugten Windowshasser bis zum stolzen FOSS-Anhänger ist alles dabei. Nun, das ist jedem seine Sache, diese Freiheit haben wir ja! Ich sehe es eher praktisch: Soweit es geht kommt Ubuntu und OS zum Einsatz, wo es noch hakt, wird auf XP und entsprechende Programme zurückgegriffen. Nur ist es sehr unpraktisch, jedes Mal den PC neu zu booten und das andere System zu starten. Hier kommt eine Virtuelle Maschine ins Spiel. Ausgehend von einem laufendem Ubuntu (Hardy) möchte ich Euch heute zeigen, wie ich mit Virtual Box, zwei Monitoren, einem ausreichend starken Rechner für 300 Euro (AMD X2 5000, 2GB RAM, nVidia geForce 8600 GT) und ein paar Tricks ein für mich geniales Arbeitsumfeld geschaffen habe.

Was sind Virtual Box, VM, und »virtuelle Maschinen«?

Virtual Box ist eine Software, mit der auf einem laufendem System – in meinem Falle Ubuntu – einem anderen Betriebssystem ein eigenständiger Rechner mit Festplatte, Speicher, Prozessor und allem was dazu gehört, »vorgetäuscht« wird [Bild 1]. Es lässt sich so gut wie jedes Betriebssystem innerhalb dieser »virtuellen Maschine« [kurz »VM«] installieren, auch Windows. Auf die Installation und Einrichtung eines weiteren Betriebssystems gehe ich hier nicht groß ein, dazu findet man im Wiki von ubuntuusers.de eine ausführliche Beschreibung. Nur zum Verständnis:? Hat man eine neue VM erstellt, legt man z.B. die WindowsXP-CD ein und installiert dieses System ganz normal, so wie man es kennt. Und das Schöne: Hat alles geklappt, kann ich nun unter Ubuntu WindowsXP wie ein normales Programm starten.

Und man kann zusätzliche Features verwenden. So gibt es eine sogenannte »Gasterweiterung«. Mit dieser wird unter anderem der Mauszeiger gesteuert. Ich kann diesen also frei zwischen den beiden Systemen bewegen/nutzen. Dann gibt es noch ein paar Tastenkürzel, von denen man sich eines unbedingt merken sollte: rechte STRG + F. Damit wechselt man zwischen dem Fenster‑ und Vollbildmodus. Im Letzteren merkt man überhaupt nicht, dass »unten drunter« noch Ubuntu läuft.

Tipps, Tricks und Vorteile

Ⅰ. Läuft die VM im Fenstermodus, wähle ich im Menü »Maschine« den Punkt »Größe des Gastes automatisch anpassen«. Jetzt kann ich das Fenster mit XP? beliebig vergrößern/verkleinern – XP passt sich automatisch an. Sogar das Hintergrundbild wird mit skaliert [Bild 2].

Ⅱ. Wie unter VMWare lässt sich mit Virtual Box eine VM automatisch – ohne Umweg über VirtualBox – starten. Meine VM heißt „WinXP“, also lautet das Kommando auf der Konsole oder in einem benutzerdefinierten Starter:

  VBoxManage startvm WinXP

Ⅲ. Virtual Box kann gemeinsame Ordner anlegen/verwalten. Die Handhabung ist etwas umständlich, ich habe eine bessere Lösung: Da ich sowieso Samba installiert habe, gab ich dort meinen Home-Ordner unter dem Namen »turicondata« frei. Unter WinXP klickte ich mit der rechten Maustaste auf »Eigene Dateien« und wählte »Eigenschaften«. Unter Ziel gab ich dann

  \\Kappa-desktop\turicondata

ein. »Kappa-Desktop« ist der Rechnername. Wer den nicht kennt, erfährt ihn über die Konsole mit dem Befehl

  uname -n

Ab sofort stehen mir meine Daten unter Ubuntu und WinXP zur Verfügung [Bild 3]. Weitere Ordner, die ich über Samba freigab, kann ich über die Netzwerkumgebung einbinden.

Ⅳ. So richtig Spaß macht die Arbeit erst mit 2 Monitoren. Auf dem einen habe ich Ubuntu und auf dem anderen WinXP. Für die User unter Euch, die nichts gegen »Eyecatcher« haben, hier noch ein Tipp. Mein aktuelles Wallpaper, gefunden bei der Webagentur Meerbusch, ist für ein 3-Monitor-System gedacht und Freeware bzw. »Donationware« und ich finde, es passt besser zu Ubuntu als zu Vista … ;-) Dieses habe ich mir jeweils für Ubuntu und WinXP angepasst. Aber seht selbst [Bilder 4 und 5].

Ⅴ. Einer der ganz großen Vorteile bei diesem Mix von Betriebssystemen ist wohl die gewonnene Sicherheit und Freiheit. Alles rund ums Office und Internet erledige ich – ohne etwas zu vermissen – mit Ubuntu. Für meine Arbeit als Webdesigner benötige ich einige Programme aus der Windowswelt, z.B. diverse Flashtools, meinen Webeditor »WeBuilder 2008« (für den ich leider noch kein gleichwertiges Programm gefunden habe), Grafikprogramme und einige selbst programmierte Tools, die ich ja auch gern weiterhin nutzen möchte. Dann habe ich unter XP den IE7, Firefox, Googles »Chrome« und den Safari-Webbrowser für Testzwecke laufen; unter Ubuntu den IE6 (mit Wine), Firefox, Epiphany, Konqueror und Opera.

Mit XP gehe ich nur ins Web, wenn es nicht anders geht (z.B. um Programme zu registrieren). Deshalb erübrigt sich für mich auch ein Virenscanner. Nachdem ich alle Programme installiert hatte, legte ich mit VirtualBox einen Sicherheitspunkt an, zu dem ich jederzeit zurückkehren kann. Also bin ich nun auch gegen einen Windowscrash gefeit.

Fazit: Für mich ist diese Konstellation das Beste, was ich je am PC hatte. Ich surfe sicher, erledige viele Aufgaben mit Ubuntu und wo es nicht anders geht, starte ich eben XP. Mit meinem Produktivsystem bleibe ich auch vorerst bei Hardy, ich hatte damit noch keine Probleme. Denn wie heißt es so schön? „Never change a running system!“ .daumenhoch:

Kommentare
  1. herRrscher meint am

    Tja, schade dass mein PC nicht stark genug für Delphi 2005 in einr VM ist. Ich muss immer noch beim Dualboot bleiben :(

  2. .campino2k meint am

    Tja… IETester(http://www.my-debugbar.com/wiki/IETester/HomePage) ist dann bestimmt nix für dich :)  – Spart Wine auf Ubuntu
    Und die Eclipse PDT auch nicht. – Spart WeBuilder

    Antwort: Sparen muss ich nicht ;-) Und Eclipse, mindestens 3 Abstürze pro Stunde – nein Danke auch. Aber »Kommodo Edit« habe ich letztens entdeckt und ist einen Test wert, mal sehen …

  3. Stephan meint am

    Spannender wäre eine VM Lösung auf Basis von Xen. Ich selber bekomme das einfach nicht hin.

  4. BG meint am

    Danke für Deinen Beitrag, wusste nicht das sowas in dieser Form möglich ist (bin linux Einsteiger). Finde das ist eine sehr interessante Möglichkeit beide Systeme zu nutzen.

  5. .campino2k meint am

    IETester ist allerdings trotzdem einen Blick wert: IE5.5 bis 8b2 Renderengines in einem Programm…

    Antwort: Ach, jetzt weiß ich, was Du meinst! Das ist aber ein Windowsprogramm. Das Ding hatte ich schon vor längerem probiert, ist aber laufend abgestürzt. trotzdem Danke für den Tipp, vieleicht hilft es ja einem anderen Leser.

  6. .campino2k meint am

    Ich bin davon ausgegangen, dass Du es unter Windows verwendest…

    Ich habe bislang keine größeren Probleme mit dem Programm gehabt. (Hier in der Firma unter XP)

  7. Webagentur-Meerbusch meint am

    Sieht und Vista immer noch am besten aus.
    Nein, ist schön wenn es euch gefällt. Darum hier der neue
    Link. Ich hatte die Seite umgebaut.

    http://webagentur-meerbusch.de/down.html?func=select&id=2

  8. Hemanti meint am

    Ist ja wirklich einfach. Gute Tipps. :)

    Eine Frage zu dem „Eigene Dateien“-Tipp: Wie authentifizierst du dich für Samba unter Windows. Ich muss jedes Mal, wenn ich an die Dateien ran will, die Adresse zum freigegebenen home (\\…\) eingeben und dann erst kann ich mich mit Passwort und Benutzername authentifizieren. Danach läuft der Zugriff unter „Eigene Dateien“. Vorher nicht, sonst meckert er, dass der Netzwerkordner nicht verfügbar sei. Hast du das anders gelöst oder musst du dich auch vorher immer „manuell“ über den Explorer und Adresszeile authentifizieren? Oder fragt Vista etwa bei dir beim Zugriffsversuch nach Passwort. Ich habe nämlich XP, also keine Ahnung…

  9. rockpommel meint am

    Halllo,
    danke für den Bericht. Für mich als Ubuntu-Newbie nicht unerheblich. :-) Kann ich nun in der VM in XP Programme dauerhaft installieren? Für mich gibt es 2–3 Anwendungen, für die es keine Linux-Alternative gibt.

    Gruss und Dank
    Rockpommel

    Antwort: Ja klar, das ist ja Sinn und Zweck des ganzen. Noch ein Tipp: Installiere alle Programme und lege einen Snapshot (mit der VM) an! Egal, was dann passiert, Du kannst jederzeit zu diesem Punkt zurückkehren und hast ein System wie direkt nach der Installation.



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