Typographisch korrekte Zeichen verwendenTypographisch korrekte Zeichen verwenden

[Update Juli 2009] Dieser Artikel ist 2008 für Hardy Heron geschrieben worden und für diese Version von Ubuntu weiterhin korrekt. Seit Jaunty Jackelope wurde das Tastaturlayout angepasst, siehe dazu diesen Artikel! [/Update]

Im vorherigen Artikel bin ich auf ein paar Grundlagen der Tastatur eingegangen und habe das Programm »xkeycaps« vorgestellt. Jetzt möchte ich Euch zeigen, wie und welche typographisch korrekte Zeichen es gibt und wie ich diese unter Ubuntu/Linux eingebunden habe. Ihr seid natürlich herzlich eingeladen, dies auch zu tun, am Ende des Artikels findet ihr auch die entsprechenden Dateien zum Download.

Um das zu erreichen muss die originale Tastaturbelegung geändert werden. Ich habe eine Weile daran gefeilt, um zum einen die Zeichen gut erreichbar unterzubringen und zum anderen nur selten benutzte Zeichen zu überschreiben. Wer mit meinem Ergebnis nicht zufrieden ist, kann sich natürlich alternative Plätze suchen.

„Typographisch korrekten Zeichen? Noch nie gehört und nie gebraucht!“

Das glaube ich. Schuld ist die mechanische Schreibmaschine. Der begrenzte Platz wurde dort optimal genutzt, da blieb kein Platz für Feinheiten. Die Computertastaturen übernahmen dann dieses Layout, war ja praktisch und vertraut. So war es ganz normal, als Anführungszeichen das Symbol (“) über der 2 zu verwenden, als Gedankenstrich nahm man den Bindestrich (-), als Auslassungszeichen drückte man dreimal die Punkttaste (…) und für französische Anführungszeichen drückte man eben 2x die spitzen Klammern neben dem Ypsilon (<< >>).

Wir haben aber dank PC nun die Möglichkeit, wieder die richtigen Zeichen zu verwenden. Die Einrichtung ist keine große Sache, die Umgewöhnung auch nicht. Und in Zeiten, wo jedermann bloggt, in Foren schreibt, etc. können wir uns durchaus ein Stück Schreibkultur zurückholen. Abgesehen davon, dass schlicht und einfach die falschen Zeichen verwendet werden.

Welche Zeichen brauchen wir?

  • ‚einfache‘ und „doppelte“ Anführungszeichen (singlelowquotemark, leftsinglequotemark, doublelowquotemark, leftdoublequotemark)
  • ›einfache‹ und »doppelte« französische Anführungszeichen (U203A, U2039, guillemotright, guillemotleft)
  • Auslassungszeichen … (ellipsis)
  • Gedankenstrich – (endash)
  • Apostroph ’ (rightsinglequotemark)
  • Multiplikationszeichen × (multiply)
  • Divisionszeichen ÷ (division)
  • schmales Leerzeichen (thinspace, ist gut geeignet als 1?000er-Trennstelle oder als Zwischenraum bei Telefonnummern)

Die franz. und englischen Anführungszeichen erreicht man in der untersten Zeile mit den Buchstaben Y und , sowie und B. Über die 3. Ebene erreicht man die doppelten, über die 4. Ebene die einfache Ausführung. Anders als im französischen, zeigt die Spitze der Klammern bei unserer Schreibweise nach innen. Deshalb habe ich – zur besseren Handhabung – als Erstes die Belegung vertauscht. Die englischen Anführungszeichen sind beide oben und sehen aus wie eine 6 und 9. Im deutschsprachigen Raum ist das linke Anführungszeichen unten und sieht aus wie eine 9. Das Schließende ist oben und ähnelt der 6. So habe ich das auch angepasst. Ebenso die einfachen Anführungszeichen. Wobei die französischen im Originallayout wiederholt die spitzen Klammern sind, was nicht richtig ist. Es gibt einfache Guillimots, diese habe ich dann von Hand als Unicode eingefügt.

Auf der Raute‑/Apostroph-Taste (3. Reihe rechts) befinden sich auf der 3. und 4. Ebene diakritische Zeichen, die ich nicht benötige. Deshalb übernimmt die 3. Ebene den korrekten Apostrophen, der 4. Ebene weise ich die horizontale Ellipse (Auslassungszeichen) zu. Komma und Punkt haben schon auf der 4. Ebene die korrekten Symbole für Multiplikation und Division. Die 3. Ebene beim Bindestrich ist zum Glück leer, dieser Taste habe ich gleich den Gedankenstrich zugewiesen.

Zum Schluss kann ich mittels SHIFT + Leertaste ein schmales Leerzeichen einfügen. Bin mir aber noch nicht ganz sicher, ob das endgültig so bleibt, da ich diese Kombination irgendwo schon einmal als Shortcut gesehen habe. In den letzten 3 Wochen, in denen ich diese Tastaturbelegung nutze, gab es aber keine Probleme. Außerdem habe ich dafür das Zeichen »hairspace« genommen, da das Zeichen »thinspace« nicht den gewünschten Effekt erzielt.

Downloads

Auch hier habe ich für Euch ein paar Downloads. Zum einen die angepasste xmodmap, dann ein PDF mit einer besseren Übersicht über die angepasste Tastatur. Diese sieht so aus wie auf dem Screenshot rechts. Und hier ist auch noch die GIMP-Datei mit allen Ebenen für die, welche eigene Anpassungen durchführen möchten.

Ich habe noch ein paar andere Zeichen geändert. So kann z.B. mit dem H das Telefonsymbol ? und das Häckchen ? benutzt werden, das P habe ich um das Pi-Zeichen ? ergänzt. Noch ein Hinweis: Bei mir konnte ich die Taste N und J nicht ändern, ich weiß aber nicht, warum das nicht funktioniert.

Tipp
Wer sich näher mit Typographie beschäftigen will, dem sei das Buch »Zeichen setzen« von Ralf Herrmann empfohlen. Leider scheint es vergriffen zu sein, aber bei ebay taucht es auch gelegentlich auf oder man schaut auf der Webseite vorbei.

Wenn gewünscht, kann ich gerne etwas Näher auf Typographie eingehen, hinterlasst einfach eine Nachricht.

Kommentare
  1. Basti meint am

    Hallo!

    Wie kann ich jedoch das Circumflex wieder auf no-dead bekommen, damit ich besser an meine ^^-Idioten-Smileys komme??;)

    Ein Ersetzen von dead_circumflex zu circumflex brachte nicht den gewünschten Erfolg.

    Danke für den guten Beitrag!

    Antwort: Hallo Basti, schau mal ins Wiki :-)

  2. puntarenas meint am

    Moin,

    ich möchte einfach nur sagen, dass ich auf planet.ubuntuusers.de auf dein Blog gestossen bin und es einen Platz in meinen Bookmarks gefunden hat. Dies ist nach dem Beitrag über Typographie der zweite Beitrag von dir, den ich lese und deine Seite werde ich so schnell nicht wieder aus den Augen verlieren. Du kratzt bei interessanten Sachthemen an der Oberfläche und vermittelst schonmal ein brauchbares Fundament, wobei du gleichzeitig Aspekte ins Blickfeld rückst, die dazu auffordern vertieft zu werden.

    Vielen Dank,
    punta

  3. Lorag meint am

    Schön, dass das mal jemand schreibt – die Zielgruppe im Planet ist sich der Problematik wohl nicht unbedingt bewusst. Ich bekomme so viele Texte, die eine völlig verkrüppelte Typografie haben. Im Internet ist das ja längst usus. Dabei behelfen sich ja die meisten Leute, indem sie die Umwandlungen von Word/OOo vornehmen lassen. Das macht dann aus ‚ ein ’ und wandelt die Anführungen automatisch um. Einfache Abführungen zu erzeugen wird dann aber zur echten Herausforderung – von französischen oder englischen Zeichen ganz zu schweigen.

    Hast du einen besonderen Grund, z. B. das Apostroph nicht gleich auf die zweite Ebene zu legen?

    Antwort: Vielen Dank für Deinen Zuspruch. Wenn Du nicht programmierst, kannst Du natürlich den Apostroph auch auf die 2. Ebene setzen. Ansonsten wird der »sogenannte« Apostroph häufig (z.B. in PHP, MySQL) verwendet. Meine Belegung ist natürlich nicht die eierlegende Wollmilchsau, sondern eher als Anregung zu verstehen. :o )

  4. Gilbert meint am

    Tolle Beitragsreihe!

    N und J können nicht auf 3. und 4. Ebene belegt werden, weil im Standardlayout diese Tasten-Ebenen auch nicht belegt sind. Entweder man ändert das Standardlayout oder man findet eine Art „add“ Befehl.

    Antwort: Danke schön! :o ) Die Idee ist einleuchtend, muss doch gleich mal auf die Suche gehen …

  5. drache meint am

    Hi,

    toller Artikel … Hat mich schon um einiges weitergebracht – zusammen mit wiki.ubuntuusers.de/Xmodmap, habe ich jetzt beinahe einen perfekten Zeichensatz. aber ein Problem konnte ich bisher nicht lösen: das ”singlelowquotemark“ – idealerweise auf die ”n N“-Taste zu legen – da kommt schlicht und einfach gar nix, Und auch wenn ich versuche eines der vielen ”notsign“ zu ersetzen funktioniert das leider nicht … Hast Du dazu schon was gefunden?

    Antwort: Siehe Kommentar 4. Ich habe es aber noch nicht weiter verfolgt. Und Danke für das Lob! :-)

  6. Vortex meint am

    Hallo,

    ich habe die obige xmodmap als .Xmodmap in meinem Homeverzeichnis gespeichert und mit xmodmap .Xmodmap eingebunden. Jetzt funktionieren viele Sondertasten nicht mehr. AltGR erzeugt anscheinend ein Enter, PgDn öffnet das Kontextmenü (wie die Menütaste zwischen der rechten Win-Taste und Ctrl). Die Cursortasten funktionieren nicht bzw. erzeugen jedenfalls keine Cursorbewegungen mehr…

    Wo liegt der Fehler? Ich habe eine Logitech Ultra-X Tastatur.

    Danke im Voraus

    Ⅴ.

    Antwort: Hallo Vortex! :-) Das ging mir am Donnerstag ähnlich, als ich meine xmodmap unter Jaunty nutzen wollte. Da hilft nur, xkeycaps installieren und seine eigene Datei anlegen. Und wenn das Tool dann vor dem Speichern fragt, lass nur die geänderten Tasten in die xmodmap schreiben!

    Update! Bitte lies meinen neuesten Artikel zum Thema!



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