Sony Reader PRS-505 und calibre im TestSony Reader PRS-505 und calibre im Test

Nachdem ich hier von meinem „Traum-Reader“ berichtete, lies mich das Thema nicht mehr los. Nur wollte ich so ein Gerät gern erst einmal im Laden testen, bevor ich es kaufe. Deshalb freute ich mich, als ich hier las, dass der Media-Markt schon seit gut einem Monat den Sony Reader im Angebot hat! Also gleich beim hiesigen Markt angerufen und siehe da, es gab laut Datenbankabfrage noch ein Gerät. Also sofort hin.

Was jetzt kommt, war schon spaßig. Hatte am Telefon die gute Frau schon nicht gewusst, was der Sony Reader überhaupt sein soll – ungefährer Wortlaut: „Was soll das können? Hat das was mit Technik zu tun? Was meinen Sie, wo es das geben könnte? Eher bei den Fernsehern oder in der Computerecke?“ wussten drei der angesprochenen Verkäufer (in der Nähe der PC-Ecke) nichts mit einem Sony Reader anzufangen! ;-)

Aber dann fand ich einen, der wenigstens wusste, was ich meine. Aber auch er musste recht lange suchen. Schließlich drückte er mir eine kleine Schachtel in die Hand. Das Teil war natürlich eingeschweißt. Ich fragte den Verkäufer und er packte den Reader aus, damit ich es testen kann. Tja, leider war der Akku leer. Nach einigem hin und her und der Absprache mit dem Verkäufer, dass ich ja ein Rückgaberecht hätte, kaufte ich den Sony Reader mit einem etwas mulmigen Gefühl.

So mir nichts, dir nichts und ungetestet 249 Euronen hin zu legen ist nicht so mein Ding. Aber ok, die Neugier siegte. Auch wenn mir dieses Erlebnis das Gefühl gab, nicht gerade DEN Kassenschlager in den Händen zu halten.

Zu Hause angekommen, steckte ich das Gerät an den USB-Port meines PCs, denn ein Ladegerät fehlt. Es dauerte dann eine gute Stunde, bis ich das Gerät einschalten konnte. Die Benutzung ist recht einfach, die will ich hier jedoch nicht beschreiben. Wer sich dafür interessiert, kann das gern bei lesen.net nach schauen, dort gibt es auch Videos dazu.

Mich interessierte das eigentliche Handling, die Geschwindigkeit, sowie die Kompatibilität mit vorhandenen Dokumenten. Eines muss man dem Gerät lassen. Dieses E-Ink-Display ist wirklich gut. Gegenlicht oder direkte Sonneneinstrahlung machen beim Lesen nichts aus. Aber das war es auch schon. Was das Umblättern der Seiten angeht – oder erst das Scrollen – das ist selbst bei den mitgelieferten eBooks noch zu langsam. Und dann erst bei PDFs….

PDF-Dateien werden beim ersten Start in voller A4-Größe auf dem 6″-Display angezeigt. OK, man kann so gerade noch lesen, jedoch nur mit Anstrengung. Aber das ist kein Problem, man kann ja skalieren. Nur dauerte das bei einem 10seitigen PDf ungefähr eine Minute. Erinnerungen an den Amiga 500 wurden wach! ;-)

Dieses Verhalten ist ein dickes Minus, denn gerade für so etwas wollte ich den Reader ja haben.

Software

Die beiliegende Software ist wieder nur für Windows. Ich habe diese probehalber in der VBox installiert. Registrierungen werden erforderlich, um DRM-geschützte Bücher auch lesen zu können, usw. Ich brach das Prozedere genervt ab.

Dann suchte ich nach Software für Linux und fand das Programm calibre. Das ist wirklich einen Blick wert, selbst wenn man keinen Reader hat. Denn calibre zeigt unter Ubuntu Bücher im sogenannten EPUB-Format an. Ein weiteres Schmankerl sind die RSS-Funktionen. Man kann seine RSS-Favoriten angeben und den Update-Intervall, dann holt calibre automatisch die Nachrichten ab, formatiert sie und sendet sie an den Reader! Ich habe das mal mit den Feeds von Ubuntuusers probiert ? diese Funktion ist echt genial. Hier mal 2 Screenshots, wie das ungefähr auf dem Reader aussieht:

Wer mehr über das Programm wissen möchte, hier gibt es auch ein Video. Eines noch: calibre ist in der Version 0.4.xx in den Repositories von Jaunty, ich installierte aber die Version von der Webseite. Ich denke, mit dem Karmic Koala wird dann hoffentlich eine neuere Version ausgeliefert.

Fazit

Der Sony-Reader PRS-505 ist chic und das richtige Teil, um in öffentlichen Verkehrsmitteln ein wenig anzugeben. ;-) Das war es aber auch schon. Ansonsten bin ich von dem Gerät total enttäuscht. Für das Geld und beim heutigen Stand der Technik erwarte ich etwas Ausgereiftes und nicht so eine lahme Ente. Einzige Pluspunkte sind das gestochen scharfe Display und die Möglichkeit, dieses auch um 90° zu drehen und im Querformat zu lesen. Aber auch dieses Umschalten ist zu umständlich gelöst und dauert seine Zeit (das iPhone zeigt ja, dass man nicht erst durch zig Menüs klicken muss…). Deshalb wanderte das Teil am nächsten Tag wieder zum M-Markt. Soll ein anderer Kunde damit glücklich werden.

Das Programm calibre hingegen hat es mir angetan. Ich war überrascht, so etwas auch schon für Linux zu finden. Hier ist man auf dem richtigen Weg. Ich werde jetzt mal die nächsten 2 Generationen der Reader abwarten und dann noch einmal schauen, ob sich so ein Gerät lohnt. Und ich werde mir mal dieses EPUB-Format vornehmen ? neben einigen Meta‑ und Steuerungsdateien sind das nämlich CSS-formatierte XHTML-Seiten!

Kommentare
  1. peder meint am

    Hm, habe jetzt schon sehr oft von Enttäuschung über zu wenige Features und solche Sachen gelesen. Aber, dass eInk eine absolute Innovation ist, die es von sämtlichen Alternativen zum Lesen elektronsicher Texte abhebt (Palm, iPhone, usw.), wird oft nicht einmal erwähnt. Du dagegen hast das natürlich wenigstens getan :) . Ich jedenfalls erwarte vom eBook Reader nicht viel mehr als eine große Fläche, nicht zu große Wartezeiten beim Umblättern und einen „angemessenen“ Preis.

  2. Keba meint am

    Oh, danke für den Test, ich hatte auch mal überlegt, ob ich mir nicht mal ein Ebook kaufen sollte.

    Dieses Sony-Gerät durfte ich zum Glück schonmal in einer Buchhandlung ausprobieren und ich kann deine Erfahrung eigentlich nur bestätigen: Die Display-Qualität hat mich umgehauen, außerdem war das Teil recht dünn, was mich auch gefreut hat.

    Der Preis war dann weniger schön, aber ich hab dennoch mal ausprobieren wollen. Ich fand es unbrauchbar langsam. Grässlich. Zu der Bedienung kann ich nicht viel sagen, halt mal etwas rumgeklickt, dabei hab ich mich oft die falschen Tasten gedrückt (ein Kumpel von mir hat das aber hinbekommen) und es hat kein Spaß gemacht Features auszuprobieren.

    Für das Geld ist ein Ipod Touch (solange man ideologisch nichts dagegen hat) oder ein Netbook auf jeden Fall besser . Und Bücher ließt man – zumindest heute – viel besser und billiger in Papierform. Für das Geld bekommt man locker 15, 16 Bücher…

  3. Fir3fly meint am

    Ich habe einen PRS-500, Gerät der ersten Generation. Das habe ich damals aus USA besorgen lassen, weil es hier noch nicht zu kaufen war. Zusammen mit calibre ist das Gerät mein absoluter Lesefavorit.
    Mich wundert, daß die Schwachstellen (pdf-support im Zeitlupenmodus) nicht in den Folgegenerationen ausgemerzt wurden. Das ist nämlich schon immer so.
    Calibre ist als Software einfach klasse. Ich bin mit der 4er Version aus den Repositorys sehr zufrieden und würde die auch jedem ans Herz legen. Immer die neuste Version zu haben ist zwar nett, aber der Author bringt dermassen oft Updates raus, daß einem fast schwindelig wird. Soweit ja ok, aber oft genug war es nötig Phyton oder sonswas auf unstabile Versionen aufzurüsten, damit dann calibre noch funktioniert hat… für 2 Wochen wenn dann wieder ein Update kommt.

    Antwort: Die Updates beziehen sich vermutlich auf neue Geräte, die integriert wurden. Denn man muss diese ja beim ersten Start auswählen. Und in letzter Zeit kamen ja einige neue Geräte auf den Markt. Vielen Dank für den Hinweis, dass auch die in Ubuntu vorhandene Version gut funktioniert!

  4. Rolfo meint am

    Ich bin seit kurzem Besitzer eines PRS-505 und kann die Kritik nicht ganz nachvollziehen. eReader mit eInk sind auf zwei Dinge ausgelegt:
    kontraststarke Schrift ohne Hintergrundbeleuchtung, die auch bei Gegenlicht etc. exzellent lesbar ist
    extrem niedriger Stromverbrauch, denn Saft wird nur gebraucht wenn man umblättert (daher auch bis zu mehrere Wochen mit einer Ladung – wenn Eure iPods das schaffen, Respekt).

    LCD Displays wie im iPod Touch damit zu vergleichen ist wie das sprichwörtliche Äpfel mit Birnen vergleichen.

    Ich bin zumindest sehr zufrieden mit meinem eReader, denn er leistet genau das, was er soll.

    Antwort: Der letzte Satz ist „falsch“. Er leistet genau das, was Du Dir von ihm versprochen hast. :) Meine Anforderungen waren eben andere und die erfüllte das Teil nicht.



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