Webeditoren unter Ubuntu/Linux Teil 5: Eclipse/AptanaWebeditoren unter Ubuntu/Linux Teil 5: Eclipse/Aptana
IBM startete 2001 das OpenSource-Projekt Eclipse und wird mittlerweile von einer großen Community gepflegt. Ursprünglich als IDE für Java gedacht, öffnete sich das Programm durch Plugins auch anderen Sprachen. So ist auch Aptana daraus entstanden, welches eigenständig oder als Plugin läuft. Die Bedienung ist fast gleich, weshalb ich das alles in einem Artikel abwickeln werde und dabei auch nur auf die Fähigkeiten rund um HTML/PHP eingehe.
Eclipse selbst lässt sich aus den Paketquellen von Ubuntu installieren. Aptana richtet sich speziell an die Webentwickler und kann von der entsprechenden Seite heruntergeladen werden. Man entpackt die Pakete in einen geeigneten Ordner, es kann sogar innerhalb des Home-Ordners sein. Alle Dateien und Abhängigkeiten, selbst die Java-Runtime, sind im Paket enthalten. So reicht dann auch das Löschen des Ordners, um das Programm eventuell wieder loszuwerden. Wer das zu schätzen weiß, kann auch auf die Installation des „großen“ Eclipse vorerst verzichten und es mit EasyEclipse versuchen.
Auch dieses Eclipse-Paket enthält alle benötigten Dateien und Abhängigkeiten.
Positives
Dank Java läuft Eclipse auch unter Linux. Leider bin ich mir nicht sicher, ob das ein Fluch oder Segen ist (Erklärung folgt unter „Negatives“). Egal, welchen Fenstermanager man nutzt, Eclipse bringt sein eigenes Interface mit. Und ich muss sagen, das sieht gut aus!
Eclipse und seine Ableger arbeiten mit sogenannten Perspektiven. Das heißt, für jede denkbare Tätigkeit – die Arbeit mit Java, PHP, HTML, fürs Debuggen oder die Synchronisation im Team usw. – lässt sich die Programmoberfläche nach belieben anpassen bzw. vorgefertigte Perspektiven laden. Eine gute Idee, so etwas habe ich bisher nirgends gesehen.
Der Editor selbst bringt alles mit, was man sich wünscht. Für HTML, PHP, CSS und vor allem für Javascript und bekannte Frameworks wie jQuery, Dojo, Mootools, Prototype, … und andere Sprachen wie Python, Ruby, Adobe Air usw. lassen sich per Plugin die notwendigen Unterstützungen nachladen. Wer gern mit einer der Ajax-Bibliotheken arbeitet, für den ist Eclipse/Aptana unbedingt einen Blick wert. Ich glaube, kein anderes Programm ist so vielfältig.
Autocomplete-Funktion und Calltipps in PHP und HTML sind ausgezeichnet

Die Umsetzung der jeweiligen Unterstützung ist lobenswert. Autocomplete, Calltipps, Outline-Ansichten, u.v.m. ? da kann man nur sagen: „Herz, was willst Du mehr!“ Ja, wäre da nicht die negative Seite, auf die wir nun zu sprechen kommen.
Negatives
1. Der Start dauert länger als das ganze Betriebssystem unter Jaunty. Damit kann man leben, als Standardeditor für die schnelle Anzeige von HTML‑ oder PHP-Dateien fällt Eclipse/Aptana aber aus. Es sind eben Java-Programme.
2. Man wird „gezwungen“ mit sogenannten Workspaces zu arbeiten. Hier scheiterten schon frühere Versuche von mir, mich mit Eclipse/Aptana anzufreunden. Seit Jahren habe ich meine eigene Ordnerstruktur, mit der ich sehr gut zurecht komme. Das Programm bietet zwar an, Ordner zu importieren, dabei stellte ich zwei Mängel fest: Einmal werden die Dateien richtig importiert, bei einem anderen Versuch anscheinend nur verlinkt. Neue Dateien erstellt die aktuelle Version von Aptana aber im Workspace und nicht in meinem Projektordner. Das ist konfus – liese sich vielleicht durch die richtigen Einstellungen beheben (welche sind das?) – aber ich traue dem ganzen nicht, es bleibt immer ein unsicheres Gefühl. Denn das Letzte, was ich benötige, ist ein Chaos in meinen Projekten!
Dann importierte ich ein älteres Projekt mit vielen HTML/PHP-Dateien. Will ich diese öffnen, stürzt das Programm gnadenlos ab. Und auch das ist leider nicht annehmbar. Edit: Auch wenn diese nicht im UTF-8-Format, sondern unter Windows mit MS-ANSI und der Zeichencodierung ISO-8859–1 gespeichert wurden.
3. Apropos Abstürze: Die aktuell getestete Version von Aptana lief im Laufe dieses Tests stabil, EasyEclipse und frühere Tests zeigten mir aber, dass diese Programme recht absturzfreudig sind – den Grund kann ich nur auf die Java-Engine schieben.
4. Der Editor bietet wie erwähnt viel Unterstützung, geht aber auch zu Lasten der Geschwindigkeit. In größeren Dokumenten scrollen oder den Cursor bewegen – das geht dann etwas behäbig. Und ich habe einen recht schnellen PC mit DualCore-Prozessor und 4GB Speicher! Aber das Schlimmste: Lösche ich mit der Backspace-Taste; halte die Taste längere Zeit gedrückt und lasse sie dann los, löscht der Editor munter weiter. Ein eigenartiges Verhalten!
5. Die Vorschau von PHP-Dateien im Browser, geschweige denn das Debuggen im Programm selbst zu konfigurieren, hat mich schon einige Nerven gekostet. EasyEclipse verlangt den Pfad zur php.exe. Unter Linux?
Bei Aptana habe ich es mit einem Testprojekt und einer einfachen Testdatei hinbekommen. Ich habe in den Projekteigenschaften mit den Einstellungen für PHP-Preview experimentiert und irgendwann ging es, als ich Use absolute URL wählte und die Adresse eingab. Dann versuchte ich es mit dem Projekt, welches ich in den Workspace importierte und stellte den korrekten Pfad über http://localhost/… ein. Die vorhandenen Dateien konnte ich nun aufrufen. Aber neue Dateien legte Aptana im Workspace an und dann erhalte ich eine 404-Fehlermeldung. Tut mir leid, ich habe es dann aufgegeben.
Fazit
Ich möchte niemandem die Benutzung von Eclipse oder Aptana ausreden. Das Programm ist ein mächtiges Werkzeug und gerade für jene interessant, die mit verschiedenen Sprachen arbeiten, im Team und Plattformübergreifend. Aber man muss sich darauf gefasst machen, einiges an Zeit in die Einarbeitung zu investieren. Ich erwähnte es schon einmal: Jedes Programm folgt einer Philosophie (meist der der Entwickler). Hat man diese Philosophie verstanden und lässt sich darauf ein (Stichwort Workspaces), kann man bestimmt gut damit arbeiten. Außerdem habe ich – was die Funktionen betrifft – nur an der Oberfläche gekratzt! Aber es gibt Alternativen, weshalb ich mir weitere Versuche erspare.
Es existieren weiterhin kostenpflichtige Angebote (z.B. Aptana Pro und Aptana Cloud) und auch in der Community ist einiges los. Wer sich mit Aptana beschäftigen möchte und gut Englisch kann, der sollte sich mal bei tv.aptana.com umsehen, da gibt es jede Menge Screencasts. Sowas wünscht man sich für viele andere Programme auch.
‹ironie› Aber anscheinend braucht man für das Programm so viele Videos, um es überhaupt zu verstehen?</ironie› Aptanafans mögen mir diesen kleinen Scherz auf Kosten ihrer heiligen Kuh bitte nachsehen.
Vielleicht habt Ihr für die Leser ja noch den ein oder anderen Tipp?
Das war der 5. Teil dieser Reihe, es folgen noch Quanta und Kommodo Edit. Ich würde mich freuen, wenn ihr dann wieder vorbeischaut. Bis dann, Turicon.
Navigation
- Teil 1: Grundlegendes
- Teil 2: Gedit
- Teil 3: Geany
- Teil 4: Bluefish
- Teil 5: Eclipse/Aptana
Also ich benutze schon lange Eclipse mit den WST-Plugins für HTML/CSS/JavaScript und PDT für PHP und ich bin begeistert. Keinerlei Abstürze bisher, und auch dein Problem mit den Projekten kann ich nicht nachvollziehen.
Ich gehe bei mir auf File>New>PHP Project und dann anstatt „Create project in workspace“ auf „Create project from existing source“ und dort dann einen (vorher erstellten) Ordner auswählen. Dann bleiben auch alle Dateien dort. (Das ist aber nur bei PDT, also einem neuen PHP Projekt so.)
Auch das Einrichten des Debuggens mit PHP war sehr einfach. „sudo apt-get install php5-xdebug“, und die Einstellungen eintragen. Fertig.
BTW: Ich benutze Eclipse Galileo.
Antwort: Hallo Artemis, danke für den Tipp! Wie sieht es mit der Anzeige von Dateien aus, die nicht mit Eclipse erstellt wurden? Ich vergaß zu erwähnen, dass diese nicht mit UTF-8, sondern unter Windows mit ISO-8859–1 erstellt wurden. Werde das noch einfügen…
Hast mal als Editor JEdit versucht, basiert allerdngs auch auf Java. Aber ist um einiges schneller als Eclipse, denke nicht das es an Java liegt, eher an die Plugins selber.
Antwort: Ja und: Nein, danke, der ist nichts für mich.
Hab’s grad mal getestet: Nachdem ich die Datei importiert hab, zeigt der nur komische Zeichen an. Ich muss dann manuell die Kodierung von UTF-8 nach ISO-8859–1 ändern.
Da alle Dateien aber standardmäßig die Kodierungs-Einstellungen vom übergeordneten Element (Container) erben, reicht es, die Kodierung in den Eigenschaften des Projekts zu ändern, ist dann eine Sache, die man von Hand machen muss.
Antwort: Kein Absturz? Na, dann hat man zumindest teilweise schon nachgebessert. EasyEclipse (Version 1.3, vor 2 Tagen heruntergeladen/installiert) stürzt sofort ab, auch wenn ich in den Projekteigenschaften auf ISO-8859–1 schalte. Vielen Dank für Deine Mühe! .daumenhoch:
Als Alternative kann ich zur direkten Konkurrenz für Eclipse raten, Netbeans. Für reine Webgeschichten bevorzuge ich allerdings Komodo-Edit, weil es um einiges schlanker ist als Netbeans.
Wär echt cool, wenn du Vim mal eine Chance geben würdest und versuchst, dir (g)vim mit diversen plugins einzurichten.
Antwort: Hallo linopolus, Vorschlag: Du schreibst den Artikel und ich schau mir (g)vim mal an. Na, was meinst?
Nachtrag: Ich habe geschaut… gVim bzw. überhaupt diese Art von Editor verlangt eine ganz andere Arbeitsweise. Was ich gemerkt habe, der Editor ist sauschnell! Gut fand ich auch (auf den ersten Blick) das Splitten der Ansicht und die Farbthemen. Ich kann mir schon vorstellen, dass man damit gut arbeiten kann. Aber dafür benötigt man eine gute Einführung zur Arbeitsweise, Bezug und Installation der Plugins, was für Plugins gibt es usw. Wie schon erwähnt, mein Angebot steht. Schreib eine Einführung für die ersten Schritte mit HTML/CSS/PHP und wir veröffentlichen das.
Auf der Arbeit verwenden wir ZendStudio für Eclipse + Aptana für Javascript. Es bietet auch Code Completion für Javascript an, leider nicht Inline von php sondern nur in Html und Javascript Dateien.
Kam bestimmt schon in den Komments habe se auch nicht alle gelesen.
Was ist denn eigentlich mit VIM?
Antwort: 2 Kommentare über Deinem habe ich mich geäußert. Wenn jemand mag, kann er gerne einen Beitrag dazu schreiben. Ich arbeite nicht mit dem Programm und kann dazu leider nichts sagen.
Weiß jemand etwas über den Standardeditor bei KDE, Kate?
Lg Paloran
Einige Aptana Subprojekte sind mittlerweile kostenlos. Die Pro Version gibt es Afaik als solche nicht mehr. Pydev ist ebenfalls nun frei. Aptana PHP soll dagegen eingestellt werden, die Features sollen bei PDT einfliessen. Aptana selbst will wohl mehr auf den Zug des Cloud Computing aufspringen…
Was ich hier vermisse ist die Erwähnung der Debug und Refactoring Features. Zusammen mit jgit (wird bei Aptana als weiteres Plug-in angeboten) ist man auch noch recht komfortabel bei GIT. Subclipse und Co. und Remote Projekte über SFTP, FTP funktionieren hier auch inklusive der Synchronisation. Das sind gerade im Webbereich wichtige Punkte, da die Projekte ja auch fast immer mit einem Produktionsserver auf der anderen Seite synchronisiert werden müssen.
Ebenfalls das sehr gelungene Handling von Datenbanken (z.B. mit den Eclipse Database Tools oder der QuantumDB und den verschiedenen Connectoren wie mysql)
Das ist halt der grosse Vorteil der Eclipse Plattform, dass man im Grunde recht viel bekommt und sehr flexibel ist.
Der Nachteil ist auf jedenfall die Komplexität und auch das zusammengesuche der verschiedenen Plug-ins. Ist ja ein Punkt der oft kritisiert wird. Obwohl es auch einige vorgefertigte Distributionen gibt z.b. Eclipse PDT.
Auch ein Nachteil ist sicherlich die etwas andere Sichtweise die auch ein Umdenken bedarf. Z.B. sind die Working Sets halt eine Möglichkeit die unterschiedlichen Projekte voneinander auch visuell zu trennen. Da es eine Art „entladen“ aus der Projektansicht nicht gibt.
Das Mapping für die Previews ist sicherlich auch ein Punkt der etwas kompliziert ist, besonders wenn man mit virtuellen Hosts arbeitet. Da reitet man schnell in einige Fallen die dann auch später beim Remote Debuggen Stolpersteine sein können.
Für grössere Projekte insbesondere mit dynamischen Sprachen ist Eclipse zumindest für viele die erste Wahl geworden. Der reine Designbereich (HTML+CSS) ist noch ausbaufähig. Ich kenne da jetzt nur ein kommerzielles Plug-in was direkt für CSS Design gedacht war und der Support z.B. von Aptana bei CSS, naja… Codecompletion funktioniert und einen CSS Preview gibt es auch aber an Dreamweaver kommt das natürlich nicht heran.